Sechste McCloy Lecture von Dr. Theo Sommer zum deutsch-amerikanischen Verhältnis

Im Rahmen der maßgeblich von den McCloy Stipendiatinnen und Stidpendiaten organisierten German Conference at Harvard hielt Dr. Theo Sommer, langjähriger Herausgeber und Chefredakteur der ZEIT, am 15. Februar 2013 im Sheraton Commander vor 240 Gästen die sechste McCloy Lecture.

In seiner Rede schilderte Sommer seine langjährigen persönlichen Erfahrungen in Amerika, betrachtete das nicht immer unproblematische deutsch-amerikanische Verhältnis der letzten 60 Jahre, und wagte einen Ausblick auf die Zukunft des transatlantischen Verhältnisses.

 Durch viele Anekdoten brachte er den Zuhörern seine Bewunderung für die USA näher und unterhielt sie dabei bestens; er warb eindringlich für die Sicht, dass die Amerikaner, trotz gelegentlicher Irrungen, eine unerschöpfliche Fähigkeit zur Selbstreflektion und Kursänderung besitzen sowie einen Sinn für Augenmaß, Ausgleich und Mäßigung.

Sommer pflichtete Vizepräsident Biden bei, der vor kurzem bei der Müncher Sicherheitskonferenz betont hatte, dass Europäer und Amerikaner auf lange Sicht die engsten Partner bleiben werden – in der Sicherheitspolitik, wirtschaftlich, und mit Blick auf gemeinsame Werte. Sommer plädierte dafür, die Konflikte der letzten Jahre hinter sich zu lassen und die Partnerschaft weiter zu stärken.

Gegen Ende seiner Rede zollte Sommer zwei Amerikanern besonderen Respekt: Henry Kissinger, von dem er lernte, dass wahre Freunde nicht immer einer Meinung sein müssen; und John McCloy, mit dem er in den achtziger Jahren gemeinsam in der Auswahlkomission  des McCloy-Stipendiums gesessen hatte. Die Deutschen schuldeten McCloy großen Dank, sagte Sommer – dafür, dass er den westdeutschen Wiederaufbau vorangetrieben hat und, wie Helmut Schmidt es in seiner Grabrede auf McCloy ausgedrückt hatte, dafür, dass er “die Deutschen aus ihrem Schlaf aufgeweckt hat.”

Die sechste McCloy Lecture (im Wortsinne) wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung des McCloy Alumnivereins.